YES!CON: Eine Plattform der Hoffnung und des Austauschs für Onkologie-Patient:innen
Anfang Mai kamen über 1.500 Betroffene, Angehörige und Enabler in Berlin zur 6. YES!CON zusammen. Die YES!CON ist die größte Convention für Onkologie-Patient:innen und ihre Unterstützer. Diese Veranstaltung hat sich als Treffpunkt etabliert, bei dem der Austausch von Erfahrungen und Wissen im Mittelpunkt steht, und die Teilnehmenden mit einer unvergleichlichen Atmosphäre der Hoffnung und Gemeinschaft begeistert hat. Alle Panels und Keynotes können hier angesehen werden: Mediathek – YES!CON. Für unsere O-Mamori Community berichten Yvonne Niepelt (Brustkrebssurvivorin und Ärztin) und Viola Braun (Communications Daiichi Sankyo) über das, was sie am meisten bewegt hat.
Yvonne Niepelt fasst ihre Erlebnisse bei der YesCon 6.0 so zusammen:
“Liebe Community,
letztes Jahr saß ich im Publikum – beim „O Mamori Award“ von Daiichi Sankyo. Ich war tief bewegt: von der Kraft der Geschichten, von der Ehrlichkeit, vom Empowerment, das von der Bühne ausging. Damals war ich frisch aus der Akuttherapie: Brustkrebsdiagnose, Umbruch, viele Fragen. Wie geht es weiter – als Ärztin, als Frau, als Mensch? Ich hätte nie gedacht, dass ich ein Jahr später auf der weltgrößten Patientenconvention, der YesCon, selbst auf dieser Bühne stehen würde.
Speakerin beim Panel „Innovative Versorgungsformen
Dieses Jahr war ich Speakerin – auf dem Panel „Innovative Versorgungsmöglichkeiten bei Brustkrebs“. Als Ärztin (ehemalige Doktorandin Brustkrebs) und Patientin, bilingual zwischen Medizin und Erfahrung, sprach ich über neue Therapien – und darüber, wie wichtig es ist, dass Patient*innen nicht nur versorgt, sondern verstanden werden. Dass Versorgung nicht bei der Medikation endet, sondern echte Teilhabe ermöglicht.
Ich war beeindruckt von der YES!CON-Community: offen, mutig, klar. Ich habe sofort Anschluss gefunden, inspirierende Gespräche geführt, mich mit anderen Survivors, Ärzt:innen, Aktivist:innen und Angehörigen vernetzt. Besonders bewegt haben mich die Themen „Working with Cancer“ und „Dranbleiben“ – Therapieadhärenz im Alltag: Wie schaffen wir es, auch langfristige Therapien durchzuhalten? Wie unterstützen wir Patient:innen dabei, ihren Weg informiert und gestärkt weiterzugehen? Fragen, die mich auch beruflich als Betriebsärztin und Survivorin täglich begleiten.
„Bilingual dabei“ – als Ärztin und Patientin
Denn der Weg zurück in den Beruf – und ins Leben – ist nicht nur medizinisch, sondern zutiefst menschlich. Er betrifft Selbstbild, Würde, Zukunft.
Mein Mann saß im Publikum. Nach dem Panel sagte er: „Das warst ganz du – fachlich stark und menschlich berührend.“ Ja, das war ich. Und es war gut, so gesehen zu werden – als jemand, die nicht nur betroffen ist, sondern gestalten will. Die Fragen stellt, Brücken baut, und dafür einsteht, dass wir Medizin und Lebensrealität endlich zusammen denken.
Danke an das YES!CON-Team, an meine Mitstreiter:innen auf dem Panel, an alle, die diese Räume möglich machen. Ich bin stolz, Teil dieser Bewegung zu sein – und ich freue mich auf alles, was wir gemeinsam noch bewegen werden.”
Viola Braun ist Mitarbeiterin bei Daiichi Sankyo und stellt für unsere Community zwei Themen der YesCon 6.0 besonders in den Fokus. Die Rolle der Künstlichen Intelligenz KI und die Bedeutung von klinischen Studien und warum es wichtig ist, daran teilzunehmen.
Die Rolle der KI und aktueller Studien in der Krebstherapie: Ein Blick in die Zukunft
Ein zentraler Themenschwerpunkt der diesjährigen YES!CON war der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Krebstherapie und die Bedeutung aktueller Studien, die die Zukunft der Behandlung und Nachsorge von Krebspatienten prägen. Verschiedene Panels boten wertvolle Einblicke in die revolutionären Möglichkeiten, die KI in der Medizin eröffnet, und wie sie die Patientenversorgung verbessern kann.
Künstliche Intelligenz in der Krebstherapie
Expert:innen erläuterten, wie KI-basierte Technologien heute bereits die Krebsbehandlung optimieren und individualisieren. Durch die Analyse großer Datenmengen können KI-Systeme Muster erkennen, die für die Diagnose und Behandlung entscheidend sind. KI unterstützt Ärzt:innen dabei, präzisere Prognosen zu erstellen und maßgeschneiderte Therapien zu entwickeln, die besser auf die individuellen Bedürfnisse von Patient:innen abgestimmt sind.
Darüber hinaus bieten digitale Helfer, die auf KI basieren, praktische Unterstützung im Alltag von Patient:innen. Betroffene müssen zahlreiche Termine koordinieren – auch dabei kann die KI helfen, sei es für Arztbesuche, Therapieeinheiten oder Nachsorgeuntersuchungen. Diese intelligenten Assistenten erinnern Patient:innen nicht nur an bevorstehende Termine, sondern helfen insbesondere auch bei der Planung und Organisation. Solche digitalen Lösungen tragen dazu bei, den Stress und die Belastung zu reduzieren, sodass mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben bleibt.
Zwei ganz konkrete Beispiele, wie Künstliche Intelligenz KI schon heute Ärzt:innen und Patient:innen unterstützen kann, präsentierte Susanne Dubuisson, Product Director bei Doctolib, der App, die nach eigenem Bekunden von 25 Millionen Patient:innen genutzt wird. Bei der Terminvereinbarung kann eine KI-gestützte Telefonassistenz helfen. Ihr Vorteil, sie ist 24/7 erreichbar und bleibt immer geduldig und freundlich. Beim Termin im Sprechzimmer ist die Zeit im Durchschnitt auf sieben Minuten begrenzt, eine Stresssituation für Ärzt:innen und Patient:innen. Eine neue KI-gestützte Behandlungsassistenz aus Frankreich soll schon bald auch in Deutschland Entlastung bringen. Das System zeichnet das Gespräch auf und erstellt umgehend eine strukturierte schriftliche Zusammenfassung, die von den Ärzt:innen kurz geprüft und direkt an die Patient:innen gegeben werden kann.
Nicht nur während der Therapie ist KI ein spannender Aspekt, auch in der Nachsorge von kann KI eine Erleichterung sein. KI-gestützte Anwendungen können helfen, den Gesundheitszustand von Patient:innen kontinuierlich zu überwachen, indem sie Daten aus verschiedenen Quellen – sei es von medizinischen Geräten oder Apps – integrieren und analysieren.
Klinische Studien in der Krebstherapie
Studien sind für den medizinischen Fortschritt essenziell. Doch trotz der entscheidenden Rolle, die klinische Studien bei der Entwicklung neuer Therapien spielen, stehen viele Menschen in Deutschland klinischen Studien skeptisch gegenüber. Diese Skepsis kann auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen sein, darunter mangelndes Verständnis für den wissenschaftlichen Prozess, Bedenken bezüglich der Sicherheit und Wirksamkeit neuer Behandlungen sowie Unsicherheiten über die persönlichen Vorteile einer Teilnahme.
Während der YES!CON fand ein Panel statt, das sich eingehend mit den bestehenden Vorbehalten gegenüber klinischen Studien auseinandersetzte und die repräsentative Umfrage „5 Fakten zum Image von klinischen Studien in Deutschland“ der FUNKE Mediengruppe präsentierte. Erfreulich ist, dass 54 % der Befragten ungefähr wissen, was klinische Studien sind, und 40 % bereits von solchen Studien gehört haben. Lediglich 2 % gaben an, noch nie von klinischen Studien gehört zu haben. Auch das Image von klinischen Studien ist laut der Umfrage positiv in der öffentlichen Wahrnehmung verankert. So glauben 60 % der Befragten, dass klinische Studien das Potenzial haben, Leben zu retten, während 59 % der Ansicht sind, dass die Teilnahme an klinischen Studien einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leistet.

Dennoch denken nur 11 % der Befragten, dass die Teilnahme an klinischen Studien gesundheitlich unbedenklich ist, was deutlich zeigt, dass mehr Aufklärungsarbeit notwendig ist. Eine weitere Frage der Umfrage beschäftigte sich damit, ob die Befragten selbst an klinischen Studien teilnehmen würden. Über 80 % erklärten, dass sie vielleicht oder auf jeden Fall teilnehmen würden, während lediglich 6 % eine Teilnahme kategorisch ausschließen. Für alle Befragten ist es jedoch unerlässlich, über mögliche Risiken und Nebenwirkungen (82 %), den Zweck der Studie (72 %) sowie den Ablauf der Behandlung (70 %) informiert zu werden.
Im Rahmen des Panels berichteten zudem mehrere Patient:innen über ihre persönlichen Erfahrungen mit klinischen Studien und verdeutlichten den Mehrwert, den solche Studien bieten können. Bemerkenswert niedrig ist jedoch die Zahl derer, denen klinische Studien tatsächlich angeboten wurden. 83 % der (ehemaligen) Krebspatient:innen beziehungsweise deren Angehörige gaben an, dass ihnen im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung keine klinische Studie angeboten wurde. Lediglich 11 % nahmen an einer klinischen Studie teil, während 6 % sich gegen eine Teilnahme entschieden haben. Das Fazit von Catherin Anne Hiller, Strategic Marketing FUNKE Mediengruppe, lautet:
Betroffene wünschen sich mehr Informationen zu klinischen Studien. Es ist unabdingbar, die Infrastruktur zu verbessern, um schneller mehr Daten zu erhalten.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die YES!CON hat wieder einmal bewiesen, dass der Austausch von Wissen und Erfahrungen eine Kraft ist, die Veränderungen vorantreiben kann. Die Veranstaltung zeigt, dass, wenn wir uns zusammentun und voneinander lernen, wir wirklich Großes erreichen können.
Hast du Fragen oder Anregungen? Dann schreib einfach in das Kommentarfeld unter diesem Beitrag, so können es auch alle sehen und davon profitieren.
Freigabenummer: DE/ONP/06/25/0002




