Neues von den Patientenorganisationen

11
Juni

Ich fühle mich müde, erschöpft und kraftlos

Das chronische Erschöpfungssyndrom, in der Fachliteratur Chronic Fatigue Syndrom genannt, rückt seit der Pandemie und ihren „LONG COVID-Symptomen“ mehr und mehr ins Blickfeld von Forschung und Öffentlichkeit. Betroffen sind Menschen mit ganz unterschiedlicher Lebens- und Krankheitsgeschichte, die Ursachen und auch die Erscheinungsformen von Fatigue sind äußerst vielfältig. Bei Krebserkrankungen gehört Fatigue zu den häufigsten Nebenwirkungen von Krebstherapien (Fatigue bei Krebs: Chronische Müdigkeit und Erschöpfung I Krebsinformationsdienst.de). Viele Patient:innen berichten, dass schon am Mittag „der Akku leer ist.“ Vielleich kennst du dieses Gefühl auch aus deinem Alltag. Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen sind ebenfalls häufiger betroffen als die Durchschnittsbevölkerung und diese Kraft- und Antriebslosigkeit kann sich wie eine zweite Schicht über die primären Auswirkungen der Krankheit legen und den Alltag sehr anstrengend machen. Fatigue wird häufig nicht als eigenes Krankheitsbild wahrgenommen, bei Angehörigen, Freunden oder Kollegen können die Symptome deshalb auf Unverständnis stoßen und Betroffene fühlen sich damit allein gelassen.

Wie sind deine Erfahrungen? Schreib gerne in das Kommentarfeld unter diesem Beitrag, so können es auch alle sehen und davon profitieren.

Was sind die Ursachen für Fatigue?
Die Ursachen für das Fatigue Syndrom bei Menschen mit Krebs können sehr vielfältig sein. Die genauen biologischen Mechanismen der Fatigue sind weitestgehend noch nicht wissenschaftlich belegt. Es ist jedoch sicher, dass unterschiedliche Faktoren ineinandergreifen und eine Rolle bei der Entstehung des Fatigue Syndroms spielen. (Patientenratgeber Fatigue: Ursachen, Diagnose, Behandlung I iuvando.de)

Die Grenzen hin zur Depression, zu hormonellen Störungen, zu Burnout oder konkreten Überforderungssituationen im Alltag sind fließend. Deshalb dauert es für Patient:innen oftmals lange bis eine klare Diagnose gestellt wird und eine passende Therapie gefunden ist.

Fatigue kann auch in direkterem Zusammenhang mit bestimmten Grunderkrankungen stehen, so etwa die Krebsassoziierte Fatigue, die durch die Erkrankung selbst oder im Zusammenhang mit der Krebstherapie ausgelöst werden kann. Die Deutsche Fatigue Gesellschaft geht davon aus, dass 60-90% der Patient:innen während der Tumortherapie von Fatigue betroffen sind und diese bei 20-50% auch nach beendeter Therapie weiter besteht. Fatigue ist auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen bekannt, so etwa Multiple Sklerose, Parkinson, kardiovaskulären Erkrankungen oder auch bei Lebendnierenspendern. Während der Pandemie wurde Fatigue als Begleiterscheinung des LONG COVID-Symptoms einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Was genau bedeutet Fatigue?
In der Medizin haben viele Begriffe ihren Ursprung in der lateinischen Sprache, und so ist es auch hier. Das lateinische Wort Fatigatio bedeutet Ermüdung ohne eine nähere Eingrenzung der Intensität, der Dauer oder der Auswirkungen. Das medizinische „Chronic Fatigue Syndrom“ ist wesentlich präziser und nennt als zentrale Merkmale: Die Erschöpfung steht nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit einer vorausgehenden starken körperlichen oder geistigen Belastung. Häufig bessert sich der Erschöpfungszustand auch durch Schlaf, Erholung und Entspannung nur unwesentlich oder kurzzeitig. Fatigue ist multidimensional und kann die Bewältigung des Alltags deutlich erschweren, die Lebensqualität mindern und sie kann chronisch werden. Fatigue ist nicht an ein bestimmtes Krankheitsbild gebunden und betrifft Menschen mit ganz verschiedenen Erkrankungen, etwa Krebserkrankungen, Nierenversagen oder Parkinson.

Was kann ich selbst tun?
Aktuell gibt es keine kausale Therapie der Fatigue, die Basis bildet stets eine gute Behandlung der Grunderkrankung und eine Kontrolle der Blutwerte. Daneben gibt es eine Reihe nichtmedikamentöser Begleittherapien und unterstützende Maßnahmen, die du selbst in deinen Alltag integrieren kannst. Einige Punkte haben wir hier aufgelistet.
Bewegung & Sport
• Ausgewogene Ernährung (soweit möglich)
• Psychotherapie & Entspannungsübungen
• Nahrungsergänzungsmittel
• Einteilung der Energiereserven für den Tag

Sport kann einiges bewegen
Es ist eine Binsenweisheit, dass Sport und Bewegung Auswirkungen auf unser Energielevel, unsere Konzentration und generell auf unsere Zufriedenheit im Alltag haben, das gilt für kranke und gesunde Menschen gleichermaßen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Bewegung und moderater Sport einen positiven Effekt auf Fatigue haben. Wenn du jedoch an Fatigue leidest, dann kann die Aufforderung, dich mehr zu bewegen, wie eine Einladung zur Besteigung eines Viertausenders in den Alpen wirken. Gerade nach intensiven Krankheits- und Erschöpfungsphasen ist es wichtig, sportliche Aktivitäten langsam zu starten und die Reaktionen des eigenen Körpers genau zu beobachten. Ein guter Begleiter kann dabei die Broschüre „Fitness trotz Fatigue“ sein, die von der Deutschen Fatigue Gesellschaft kostenfrei angeboten wird.

Ausgewogene Ernährung, aber wie?
Die Empfehlung, sich ausgewogen und gesund zu ernähren, gehört ebenfalls zu den allgemeinen Lebensweisheiten. Aber gerade während belastender Krankheits- und Behandlungsphasen ist das leichter gesagt als getan. Fehlendes Hungergefühl, Brechreiz oder Durchfall, das Verbot vieler Lebensmittel wegen Keimgefahr oder bestimmter Inhaltsstoffe können es schlicht unmöglich machen, gesund und ausgewogen zu essen. Wie bei der sportlichen Aktivität gilt auch hier, sich langsam an eine gesunde Ernährung heranzutasten und genau zu beobachten, „was bekommt mir und was vertrage ich gar nicht.“ Auf dem Markt finden sich Ratgeber zur Ernährung bei Fatigue, sieh dir dazu auch unsere Buchempfehlung an.

Psychotherapie als Unterstützung
Viele Betroffene berichten, dass ihnen psychotherapeutische Angebote geholfen haben, die Auswirkungen von Fatigue zu lindern und eine langfristige Verbesserung zu erzielen. Hier in der O-Mamori Community gibt es einige Gruppierungen, die speziell die psychischen und psychosozialen Aspekte onkologischer oder kardiovaskulärer Erkrankungen im Fokus haben. Leider gleicht der Zugang zu spezialisierten Psychotherapien oft einem Nadelöhr und die Wartezeiten sind lang. Deshalb haben sich gerade bei der Psychotherapie die neuen Digitalen Gesundheitsanwendungen, kurz DIGA, schnell etabliert. Sie können auf Rezept verordnet werden und besonders während der Wartezeit auf eine persönliche Therapie Abhilfe schaffen. Einige DIGAs werden wir demnächst hier in der O-Mamori Community vorstellen.

Nahrungsergänzungsmittel mit Bedacht einsetzen
Beim Thema Nahrungsergänzungsmittel scheiden sich die Geister. Die einen halten sie für unwirksam oder gar schädlich während andere positive Effekte bei sich selbst feststellen und deshalb Nahrungsergänzungsmittel nutzen. Absolut notwendig ist es hier, vor der Einnahme auf jeden Fall mit dem Behandlungsteam zu sprechen, denn manche freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmittel können die Wirksamkeit der verordneten Medikamente beeinflussen oder Interaktionen verursachen. Das gilt etwa für Johanniskraut oder Grapefruit, wenn Immunsuppressiva eingenommen werden.

Einteilung der Energiereserven
Viele Patientinnen und Patienten mit Fatigue berichten, dass sie irgendwann an den Punkt gekommen sind, zu sagen: „Es geht einfach nicht mehr so wie früher. Ich schaffe es nicht mehr, Beruf, Familie, Hobbies und Freunde jeden Tag unter einen Hut zu bringen. Also streiche ich manche Aktivitäten und Aufgaben, so kann ich meine Kräfte schonen und das was ich tue, mehr genießen.“ Hilfreich kann auch eine Tagesstruktur mit ausreichend Pausen sein, um so eine Überforderung zu vermeiden.

Buchempfehlungen:
Wenn du jetzt noch genauer wissen willst, was Fatigue bei schweren Erkrankungen bedeutet und wie du im Alltag tun kannst, dann empfehlen wir zwei Bücher zur Vertiefung der Thematik.

Fatigue Management
Ein Ratgeber für Angehörige, Betroffene und Fachleute
Heiko Lorenzen
72 Seiten zum Preis von 13,50 €
Erschienen im Schulz-Kirchner Verlag 2023
ISBN-13:    978-382482981

ME/CFS erkennen und verstehen
Was wir wissen und was wir nicht wissen über das chronische Erschöpfungs-Syndrom
Sibylle Reith
192 Seiten zum Preis von 18,- €
Erschienen im Trediton Verlag 2018
ISBN-13:   978-3746901671

Disclaimer: Dieser Text stellt keine Rechtsberatung dar und ersetzt keine individuelle Beratung durch einen Experten. Die Informationen sind allgemein gehalten und können nicht alle individuellen Umstände berücksichtigen. Für verbindliche Auskünfte und vor wichtigen Entscheidungen empfehlen wir, fachkundigen Rat einzuholen. Daiichi Sankyo übernimmt keine Haftung für Schäden, die aus der Nutzung der Informationen entstehen.

Freigabenummer: DE/ONP/06/25/0001

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