Das ist wichtig beim Thema Rehabilitation – Antrag, Klinikwahl, Kosten
Für viele Patient:innen mit onkologischen oder kardiovaskulären Erkrankungen geht der Weg nach der Behandlung in einer Akutklinik direkt oder zeitnah in eine Rehabilitationseinrichtung. Man spricht dann von einer Anschlussrehabilitation. Es gibt jedoch auch andere Wege und Indikationen hin zur Rehamaßnahme. Darauf gehen wir in diesem Artikel näher ein und erläutern die Voraussetzungen für eine Reha, die Antragstellung, die Auswahl einer geeigneten Klinik, die Kosten, die Mitnahme einer Begleitperson und weitere wichtige Fragen. Und auch nach erfolgreicher Rehabilitation ist es wichtig, den Übergang in den Alltag bestmöglich zu unterstützen, dafür gibt es vielfältige Nachsorgeprogramme. Mehr Informationen dazu oder auch zu der Frage „Darf ich meinen Hund mit zur Reha nehmen?“ findest du hier.
Medizinische Rehabilitation
Die medizinische Rehabilitation soll Patient:innen dabei unterstützen, wieder in ihren gewohnten Alltag und ihr soziales Leben zurückzukehren. Die Grunderkrankung und die Therapie können zu einem allgemein geschwächten Zustand führen, zu Einschränkungen im alltäglichen Leben und auch zu psychischen und psychosozialen Problemen. Hier setzen die Rehabilitationsmaßnahmen an und tragen dazu bei, das in der Akutbehandlung Erreichte zu stabilisieren und wieder ein möglichst normales Leben zu führen. Die medizinische Reha wird in der Regel für eine Dauer von drei Wochen bewilligt. Eine Verlängerung auf vier bis sechs Wochen ist möglich, wenn der ärztliche Dienst es befürwortet und der Kostenträger zustimmt. In speziellen Fällen, etwa bei Tumorerkrankungen oder Herzinfarkt, kann die Rehamaßnahme von Anfang an länger festgesetzt werden. Leistungen zur medizinischen Reha können bei medizinischer Notwendigkeit alle 4 Jahre erbracht werden. Droht beim Abwarten eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes, kann schon vorher ein Antrag gestellt werden.
Berufliche Rehabilitation
Die berufliche Rehabilitation baut darauf auf und soll die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen und den „vielleicht vorschnellen Übergang“ in eine Erwerbsunfähigkeitsrente mit gravierenden Auswirkungen auf die eigenen Rentenansprüche vermeiden. Ein wichtiges Instrument ist dabei die stufenweise Wiedereingliederung über einen Zeitraum von maximal 6 Monaten. Anhand eines individuellen Wiedereingliederungsplans wird die Arbeitsbelastung schrittweise bis hin zur gewünschten Wochenarbeitszeit gesteigert, die Arbeitnehmer erhalten in dieser Zeit weiter Krankengeld. Falls es nötig ist, können auch Anpassungen am Arbeitsplatz finanziert werden, etwa technische oder persönliche Hilfsmittel. Wenn der frühere Beruf gar nicht mehr ausgeübt werden kann, gehören auch Aus- und Weiterbildung zur beruflichen Rehabilitation. Es ist wichtig zu wissen, dass Rehamaßnahmen auch von Rentnern beantragt werden können, denn es gilt der Grundsatz, dass Reha eine vermeidbare Berentung verhindern soll und ebenso eine vermeidbare Pflegebedürftigkeit.

Das ist beim Antragsverfahren wichtig
Das Wichtigste zuerst: Dein Antrag muss auf jeden Fall gestellt und bewilligt sein bevor du die Rehamaßnahme antrittst. Sonst besteht das Risiko, dass du die Kosten von mehreren tausend Euro selbst tragen musst, auch wenn du alle Anforderungen für eine Bewilligung erfüllst. Bei der Antragstellung unterscheiden wir zwei grundsätzliche Wege, direkt aus dem Krankenhaus oder von zu Hause aus. Vielleicht hast du selbst erlebt, dass während deines Aufenthaltes im Akutkrankenhaus der Sozialdienst der Klinik deine Verlegung am Ende des Krankenhausaufenthaltes zur weiteren Rehabilitation beantragt. Das nennt man die Anschlussrehabilitation. Der zweite Weg ist die Antragstellung von zu Hause aus aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen mit Unterstützung deines Hausarztes oder Facharztes. Wenn du im erwerbsfähigen Alter bist, erfolgt die Antragstellung für eine medizinische Reha bei der Rentenversicherung. Wenn du im Rentenalter bist, geht der Antrag an die Krankenkasse. Der Antrag muss schriftlich per Post eingereicht werden. Es ist sehr hilfreich, wenn du vorab klärst, welcher Kostenträger zuständig ist und alle Unterlagen auf einmal und vollständig einreichst. Ansonsten kann es zu unnötigen Verzögerungen kommen. Für die Antragstellung kannst du am besten die vorgefertigten Formulare für Antrag, Anlage und Selbsteinschätzung nutzen, die Vorlagen findest du direkt hier auf der sehr informativen Seite der Deutschen Rentenversicherung. Zusätzlich brauchst du den Befundbericht deiner Ärztin oder deines Arztes und am besten einen Arztbrief, in dem die Einschränkungen deiner Erkrankung möglichst genau beschrieben werden. Ebenso das Risiko der Verschlechterung, das ja mit einer Reha vermieden werden soll. Beim letzten Online-Meeting der O-Mamori Community hat Joachim Schmidt, Fachanwalt für Medizinrecht, ausdrücklich darauf hingewiesen, beim Antrag auf Reha unbedingt alle Befunde einzureichen. Sowohl mit medizinischem als auch psychischem Hintergrund. Mehr dazu findest du im Protokoll des Online-Meetings.

Welche Klinik ist für meine Reha am besten geeignet?
Als Patient:in hast du ein Wunsch- und Wahlrecht bei der Auswahl der Rehaeinrichtung. Wenn das dieses Recht nutzen möchtest, schreibst du am besten direkt im Reha-Antrag: „Ich möchte mein Wunsch- und Wahlrecht nach § 9 SGB IX ausüben.“ Dieses Recht gilt allerdings nur innerhalb bestimmter Grenzen und es kann sein, dass deine Rentenversicherung oder Krankenkasse keinen Belegungsvertrag mit deiner Wunscheinrichtung hat. Wenn dein Wunsch abgelehnt wird, muss das mit einem schriftlichen Bescheid begründet werden. Aber nehmen wir jetzt einmal an, es gibt keine Bewilligungsprobleme. Welche Klinik solltest du dann wählen und welche Argumente sprechen für stationär oder ambulant?
Ambulante Reha bedeutet, dass du während des Tages am Programm in einer Rehaklinik in deiner Nähe teilnimmst, aber abends wieder nachhause fährst. Dafür sollte die Rehaklinik nicht weiter als 45 Minuten Fahrtweg entfernt sein und vor allem für deine Erkrankung und deine Bedürfnisse geeignet sein. Auswertungen zeigen, dass die ambulante Reha dann der stationären ebenbürtig ist. Allerdings gehört schon etwas Glück dazu, die richtige Klinik direkt in der Nähe zu finden, deshalb finden die meisten Rehamaßnahmen stationär statt.

Bist du gerne am Meer oder in den Bergen? Dann ist es für dich vielleicht ein Kriterium, ob eine Rehaklinik in den Alpen oder an der Nordsee liegt. Eine Umgebung, die dir gefällt, trägt schließlich auch zur Genesung bei. An oberster Stelle bei der Wahl der Rehaklinik sollte aber immer die fachliche Qualifikation und das konkrete Angebot für die Reha sein. Dazu kannst du folgende Fragen stellen: Gibt es in der Rehaklinik mehrere Ärzt:innen mit der entsprechenden Facharztbezeichnung, also etwa Kardiologie oder Onkologie. Was sind die Schwerpunkte der Rehaklinik und welche Patientengruppen sind stark vertreten. Anders gesagt, bin ich dort die einzige Krebspatientin oder der einzige Herzpatient? Ein ganz wichtiges Kriterium ist auch, ob deine Akutklinik oder Fachärzt:innen in gutem Kontakt zu Rehaeinrichtung steht und bei Problemen eine schnelle Rücksprache möglich ist. Hilfreich können auch die Erfahrungen anderer Betroffener sein, etwa in Selbsthilfegruppen.
Die Kliniksuche gezielt durchführen
Wenn du bei der Festlegung der Rehaklinik von deinem Wunsch- und Wahlrecht Gebrauch machen möchtest, dann gibt es eine Vielzahl von Portalen mit Informationen, die deine Entscheidung unterstützen können. Hier findest du eine kleine Übersicht:
Rehakliniken.de
Dieses Portal gibt einen guten Überblick zu den Rehaeinrichtungen in Deutschland. Unter dem Reiter „Krankheiten“ kannst du thematisch nach Krankheiten suchen, also etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebserkrankungen und dann feiner selektieren. Oder du gibst sofort den ICD-Schlüssel deiner Erkrankung ein. Danach werden geeignete Kliniken aufgelistet und du kannst für jede Klinik ausführliche Infos finden und natürlich auch die Kontaktdaten.
Das Rehaportal
Dieses Portal gibt einen ähnlichen Überblick, hier ist alles etwas anders strukturiert. Schau am besten mal, was für dich am besten geeignet ist. Für die einzelnen Rehakliniken gibt es zudem eine Qualitätsbewertung mit den Kategorien Behandlungsqualität, Patientensicherheit, Patientenzufriedenheit und Organisationsqualität.
Klinikbewertungen
Dieses Portal arbeitet mit einer sechsstufigen Sternebewertung, wie man sie aus vielen Shopingportalen kennt. Du kannst hier auch Einzelkritiken von Patient:innen finden, die zur Reha in dieser Klinik waren.
Onkologische Rehabilitation
Die Deutsche Krebshilfe bietet auf ihrer Webseite viele Informationen speziell zur onkologischen Reha an. Dort wird u.a. erklärt, welche Ziele eine onkologische Reha hat und wie der Weg dorthin aussieht.
Kardiologische Rehabilitation
Die Deutsche Herzstiftung bietet diese Informationen für die kardiologische Rehabilitation an. Themen sind dort etwa die Schulung im Umgang mit der Erkrankung oder die Wiedereingliederung.
Zuzahlungen, Begleitpersonen und andere Fragen
In Deutschland ist die Zuzahlung bei einer medizinischen Rehabilitation gesetzlich geregelt, und zwar im § 40 SGB V bei Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung oder im § 32 SGB VI bei Leistungen der Deutschen Rentenversicherung. Es besteht eine Zuzahlungspflicht von 10 € pro Tag bei stationärer medizinischer Reha. Die Zuzahlung ist für maximal 42 Kalendertage pro Kalenderjahr zu leisten. Wenn du direkt im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt zur Reha gehst, werden Krankenhaus- und Rehatage zusammengezählt. Bei ambulanter Rehabilitation gibt es in der Regel keine Zuzahlung. Genau wie bei anderen Zuzahlungen gilt die jährliche Belastungsgrenze von 2% des Bruttoeinkommens, bei chronisch Kranken liegt die Grenze bei 1% des Bruttoeinkommens. Zudem gibt es eine Härtefallregelung.
Viele Rehakliniken bieten auch die Möglichkeit, dass Angehörige oder andere Begleitpersonen mitkommen. Allerdings sind die Kosten dafür als Selbstzahler zu tragen. Die Kosten für eine Begleitperson werden nur übernommen, wenn die Begleitung medizinisch notwendig ist. Dies kann etwa bei schwerbehinderten Erwachsenen der Fall sein oder bei Patienten mit Demenz, Sehbehinderung oder Verständigungsproblemen.Einige Rehakliniken bieten sogar die Möglichkeit, den eigenen Hund mitzubringen. Die Kosten dafür und die genauen Regelungen musst du auf jeden Fall vorab mit der Klinik absprechen.
Wie sehen deine Erfahrungen mit Rehabilitation aus?
Wie war das bei dir? Konntest du direkt im Anschluss an die Akutbehandlung zur Reha oder hast du einen anderen Weg gehabt? Hier kannst du deine Erfahrungen und Erlebnisse teilen und natürlich auch Empfehlungen und praktische Tipps mit den anderen in der O-Mamori Community teilen. Dazu kannst du einfach in das Kommentarfeld unterhalb dieses Beitrages schreiben. Und wenn du Fragen hast oder dir bestimmte Themen wünschst, dann schreib das auch direkt hier.

Buchempfehlungen:
Wenn du dich jetzt noch intensiver mit allen Fragen rund um die Rehabilitation beschäftigen willst, dann findest du hier einen Buchtipp:
Ihr Recht auf Kur und Reha, Ansprüche kennen, nutzen, durchsetzen
Ralf Hauner
144 Seiten zum Preis von 19,95 €
Erschienen im Walhalla Verlag 2023
ISBN 978-3802941566
Disclaimer: Dieser Text stellt keine Rechtsberatung dar und ersetzt keine individuelle Beratung durch einen Experten. Die Informationen sind allgemein gehalten und können nicht alle individuellen Umstände berücksichtigen. Für verbindliche Auskünfte und vor wichtigen Entscheidungen empfehlen wir, fachkundigen Rat einzuholen. Daiichi Sankyo übernimmt keine Haftung für Schäden, die aus der Nutzung der Informationen entstehen.
Freigabenummer: DE/CVD/08/25/0008
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vielen Dank für diesen übersichtlichen Artikel und die wertvollen Tipps darin. Auch das Buch zum Thema klingt sehr interessant.
Liebe Grüße
Barbara Stäcker / Nana – Recover your smile e. V.