Cuddling Creatures – wie Stimme und Geruch herzkranke Kinder in der Klinik beruhigen können
Bei der Verleihung des O-Mamori Awards in Berlin wurde das Projekt Cuddling Creatures mit dem 1. Preis in der Kategorie Herz-Kreislauf ausgezeichnet. Die kleinen, weichen Kuschelwesen werden in Kooperation mit der kinderherzen Stiftung München an kinderkardiologische Stationen gegeben und dort von den Teams direkt an betroffene Kinder und ihre Eltern verschenkt. Die Gründerin des gemeinnützigen Unternehmens Cuddling Creatures, Ana Arcila, ist seit kurzem Teil der O-Mamori Community und erzählt hier, wie das Projekt entstanden ist, schildert den aktuellen Stand und gibt einen Ausblick in die Zukunft.
Am Anfang stand der Wunsch, meinem Kind zu helfen
Ana war 35 Jahre alt, als sie 2023 während ihrer Schwangerschaft erfuhr, dass ihr Kind mit einem schweren Herzfehler geboren werden würde. Zu Beginn hatte sie viele Ängste, zugleich bot ihr die frühe Diagnose eine Möglichkeit, sich schon vor der Geburt mit vielen Fragen zu beschäftigen und Vorbereitungen zu treffen. Bei ihren Recherchen sah sie auch, dass die Neugeborenen manchmal lange Zeit auf den kinderkardiologischen Stationen verbringen und die Eltern nicht immer dabei sein können. Vielleicht aus beruflichen Gründen oder weil andere Geschwisterkinder ebenfalls gut betreut sein wollen. Vielleicht auch, weil die ständige Anwesenheit in der Klinik die Eltern persönlich überfordern kann. „Wie kann ich da sein, wenn ich nicht physisch bei meinem Kind sein kann?“, diese Frage ließ Ana nicht los und sie ging auf die Suche nach Antworten. Sehr kleine Kinder reagieren besonders auf Geruch und Stimme und können dadurch schon früh ihre Eltern „erkennen“. So war es naheliegend, etwas zu schaffen, dass dem Kind Geruch und Stimme der Eltern vermittelt, wenn sie selbst nicht bei ihm sein können.

Cuddling Creatures sind Schmusedecken mit Kopf und ohne Beine
Ana arbeitet seit 17 Jahren als Prozessingenieurin im Bereich Ernährungsindustrie in München. Die Entwicklung eines neuen Produktes ist sozusagen ihr Handwerk und das kam ihr bei diesem Herzensprojekt sehr zugute. Sie ging auf die Suche nach Materialien, die für Kinder angenehm, umfassend getestet und natürlich waschbar sind. Daraus fertigte sie selbst eine Art Schal, den sie immer wieder um den Hals trug, um so ihren einzigartigen Körperduft aufzunehmen. Auf Plattformen für Elektronikartikel fand sie einen kleinen Rekorder in Herzform, der sehr einfach zu bedienen ist und mit dem die Eltern kurze Botschaften von maximal 90 Sekunden für ihr Kind aufnehmen können. Dieses Herz wurde dann mit dem gleichen Stoff umhüllt, aus dem der Schal gefertigt ist und bildet den Kopf der cuddling creatures, der Schal wird daran geheftet und formt den Körper. Wenn nun die Eltern nicht vor Ort sind, können die Klinikteams das Kind mit dem Stoff berühren und so den Geruch der Eltern vermitteln. Bei einem leichten Druck auf den Kopf mit dem Herzen darin wird die aufgenommene Sprachnachricht dreimal hintereinander abgespielt.
Wichtiger Hinweis: In der Klinik werden die Bettchen der Kinder rund um die Uhr videoüberwacht und ein Cuddling Creature darf im Bettchen liegen, wenn niemand im Raum ist. Zuhause darf das Baby nicht mit dem Schmusewesen alleine gelassen werden.
Aus der persönlichen Erfahrung wurde das Projekt Cuddling Creatures
Von den Klinikteams hörte Ana dann, dass diese einen Unterschied wahrnehmen konnten, wenn ihre kleine Tochter über ihr Cuddling Creature Kontakt zu Geruch und Stimme der Mutter aufnahm. Sie schien ruhiger und zufriedener. Diese Erkenntnis ermutigte Ana, aus dem Prototypen als Einzelstück eine kleine Serie in Handarbeit zu fertigen und anderen betroffenen Familien zur Verfügung zu stellen. Die gebürtige Kolumbianerin reiste zu ihrer Familie in Kolumbien und formte über ihre Kontakte einen Kreis von Müttern, die Cuddling Creatures nach ihren Vorgaben in Handarbeit zuhause fertigen können. Cuddling Creatures ist ihr Herzensprojekt, deshalb sollte auch die Herstellung bestmöglich erfolgen und weiteren Menschen helfen. Zu Beginn hat sie alles aus eigenen Mitteln finanziert, mittlerweile ermöglichen es Spenden und Fördergelder, die Kuschelwesen kostenfrei für die Familien mit herzkranken Neugeborenen zur Verfügung zu stellen.

Auf dem Foto ist Ana ganz rechts zu sehen, zusammen mit den Frauen, die die Cuddling Creatures von Hand anfertigen.
Aktueller Stand und Ausblick auf die Zukunft
Cuddling Creatures wird von Ana Arcila gemeinsam mit Klinikteams und Partnerstiftungen umgesetzt. Bislang erhielten rund 150 Babys im Herzzentrum München und ebenso viele in Erlangen und Bonn eine Puppe, die vielen positiven Rückmeldungen ermutigen die Initiatorin weiterzumachen. Für 2026 soll das skalierbare Modell gemeinsam mit der kinderherzen Stiftung auf 1.000 Familien ausgeweitet werden, für die Zukunft ist auch ein Angebot in anderen Ländern geplant. So können die Cuddling Creatures allen Eltern mit kleinen Babys in Trennungsphasen zugute kommen und zusätzlich Müttern in Medellín eine nachhaltige und faire Beschäftigung bieten. Natürlich werden wir hier in der Community darüber berichten, wie es weitergeht. Und wenn du jetzt Fragen oder Anregungen hast, dann kannst du direkt in die Kommentare schreiben oder Ana persönlich über ihr Profil kontaktieren.
Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Ana Arcila zur Verfügung gestellt.
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