Hand aufs Herz, ein Präventionsprojekt für Kinder und Jugendliche an Münchener Schulen.
Die Nicolas-May-Stiftung setzt sich für die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen im Kindes-Und Jugendalter ein. Meike Schrader arbeitet für die Stiftung und ist Mitglied der O-Mamori Community. In diesem Artikel stellt sie ein Projekt der Stiftung vor, das der Öffentlichkeitsarbeit, der direkten Prävention sowie der Erhebung von Daten zum aktuellen Gesundheitsstatus bei jungen Menschen dient. Das Projekt „Hand aufs Herz“ setzt sich als langfristiges Ziel, eine zuverlässige, wirksame, umfassende und dennoch einfach durchzuführende und damit kostenarme Vorsorgeuntersuchung des Herz-Kreislauf-Systems für Kinder und Jugendliche zu ermöglichen. Diese soll als Präventionsmaßnahme sowohl in Kinderarztpraxen mit kardiologischem Schwerpunkt als auch in Klinikambulanzen etabliert und schließlich in die Grundversorgung eingebaut werden.
Projektvorstellung:
Mit Unterstützung der Nicolas-May-Stiftung hat die Abteilung für Kinderkardiologie der LMU München das Projekt „Hand aufs Herz“ ins Leben gerufen. Dieses ermöglicht Schülerinnen und Schülern im Großraum München eine kostenlose und ausführliche Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen und individuelle Risikofaktoren zu identifizieren. Durch gezielte Präventionsstrategien soll die kardiovaskuläre Gesundheit der Kinder und Jugendlichen gestärkt bzw. das Auftreten von Krankheiten verhindert werden.
Ein wichtiger Baustein des Projektes ist die Leistung von Aufklärungsarbeit auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Gesundheit. Die Eltern werden im Rahmen eines Elternabends, die Schülerinnen und Schüler in einer Schulstunde über das Thema Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen informiert. Zudem wird den Schülerinnen und Schülern die Idee des Projektes vermittelt und der Ablauf erläutert. Im Anschluss können sich Schülerinnen und Schüler sowie Eltern freiwillig für eine Teilnahme entscheiden.
Die Untersuchungen werden von einem Team aus Ärztinnen und Ärzten und Studierenden in der Schule durchgeführt. Ein Untersuchungsdurchlauf dauert ca. 45 Minuten und beinhaltet neben einem Fragebogen die Erhebung biometrischer Daten, eine Blutdruckmessung, das Schreiben eines EKG, einen Herzultraschall sowie einen Fitnesstest und die Messung der Körperkraft. Zusätzlich wird eine Blutentnahme angeboten. Die Bewertung der einzelnen Items erfolgt anhand eines farbcodierten Ampelschemas und ist so einfach verständlich. Im Falle pathologischer Befunde werden die Familien persönlich informiert. Zusätzlich erfolgt nach Anonymisierung der Daten eine wissenschaftliche Auswertung, um eine verlässliche Datengrundlage für die Etablierung einer kardiovaskulären Routinevorsorge für Kinder und Jugendliche zu schaffen.
Anhand dieser wichtigen Einzelbausteine kann ein Gesamtprofil der Herz-Kreislauf-Gesundheit der Schülerinnen und Schüler erhoben und individuelle Empfehlungen für die Stärkung derselben gegeben werden. So soll langfristig das Auftreten von kardiovaskulären Erkrankungen verhindert bzw. zumindest verzögert werden.
Erste Ergebnisse:
In der Echokardiographie zeigten sich als häufigster Befund neben kleinen ASDs, einer kleinen und harmlosen Lücke im Vorhofseptum, leichte Undichtigkeiten der Herzklappen. Zudem zeigten sich prominente Aortenwurzeln bzw. Erweiterungen der Aorta (Hauptschlagader), deren Weiterentwicklung zu einem Aneurysma mit möglicher Dissektion durchaus eine möglicherweise tödliche Erkrankung darstellt. Zu den diagnostizierten Auffälligkeiten der Aorta gehören auch bikuspide Klappen, welche aufgrund des erhöhten Risikos für das Auftreten von Pathologien der Aorta regelmäßig kontrolliert werden müssen. Eine bikuspide Klappe liegt vor, wenn die Aortenklappe durch Verschmelzung oder Fehlanlage aus nur zwei statt üblicherweise drei Segeln besteht.
Neben den kardialen Pathologien, die bei den bisher untersuchten Kindern und Jugendlichen identifiziert werden konnten, fallen besorgniserregende Trends im Lebensstil der Teilnehmenden auf. Knapp 82 % geben an, die täglich empfohlene Bildschirmzeit zu überschreiten, davon liegen knapp 20 % mit über 5 Stunden deutlich über den Empfehlungen der BzgA. Etwas mehr als ein Drittel (34,4 %) der Teilnehmenden bewegt sich weniger als eine Stunde am Tag und liegt damit unter den von der WHO herausgegebenen Aktivitätsempfehlungen für Heranwachsende. Neben Bildschirmzeit und körperlicher Aktivität ist auch Ernährung ein wichtiges Thema, das in einem Fragebogen in Form des KidMed 2.0 Scores abgefragt wird. Der Score gibt an, inwieweit die Vorgaben einer mediterranen Diät, die laut aktueller Studienlage für die Herz-Kreislauf-Gesundheit am ehesten förderlich ist, eingehalten werden. Dabei zeigt sich, dass 32 % der Teilnehmenden die Ernährungsempfehlungen nur ungenügend befolgen. Süßigkeiten und Fast Food werden von den meisten regelmäßig konsumiert. Fragt man nun die Kinder, wer sich bereits mit dem Thema Prävention beschäftigt hat, so beantworten 80 % diese Frage mit „nein“.
Hier eine kleine Übersicht über das Gesamtergebnis der bisher validierten 2307 Befunde:
- 647 Untersuchungen ohne Befund
- 748 Untersuchungen mit Auffälligkeiten ohne weitere Kontrolle
- 860 Untersuchungen mit Auffälligkeiten und einer Empfehlung zur Kontrolle
- 49 Untersuchungen mit Auffälligkeiten die einer 2. Kontrolluntersuchung bedürfen, also bestätigt werden müssen
- 3 Untersuchungen mit zeitnaher Kontrolle, da potentiell bedrohlich

Ausblick:
Das Projekt läuft als klinische Studie noch bis voraussichtlich Ende 2029 und hat dank der großen Medienwirksamkeit viele Unterstützer gefunden. Aktuell planen wir Untersuchungen an zwei Schulen mit je ca. 1000 Teilnehmenden pro Jahr. Die Akzeptanz an den Schulen ist dabei sehr gut mit Teilnehmerquoten zwischen 80 und 90 %. Es haben sich mehr Schulen gemeldet, als wir Stand jetzt bis zum Ende der Projektlaufzeit untersuchen können. Das „Hand aufs Herz“-Team wächst zum Glück immer weiter, sodass wir hoffentlich allen interessierten Schülerinnen und Schülern einen Untersuchungstermin anbieten können. Nach Abschluss des Projektes Ende 2029 mit einer Mindestzahl von 5000 (Die 3000 haben wir schon geknackt!) Teilnehmenden sollen sowohl die Praktikabilität des Vorsorgeprogrammes nachgewiesen sein als auch valide Daten vorliegen, um wissenschaftlich für die Implementierung einer kardiovaskulären Vorsorgeuntersuchung für Kinder und Jugendliche argumentieren zu können. Wir arbeiten aktuell an einem Dashboard, das einen Überblick über die erhobenen Daten geben soll.
Mehr Informationen zum Projekt:
https://www.lmu-klinikum.de/kinderkardiologie/forschung-und-lehre/forschung/projekte/hand-aufs-herz/592ed00e8e26d93
https://www.instagram.com/herzwochen/
https://www.nicolas-may-stiftung.de/
Die Fotos wurden von Meike Schrader und der Nicolas-May-Stiftung zur Verfügung gestellt.
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